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Verzahnung der Notfallversorgung auf dem Schafsberg als Benefit für Menschen und Medizin: Rückschau und Ausblick für Politik und Gesellschaft: Neujahrsempfang der Krankenhausgesellschaft

Wie stellen wir uns auf in schwierigstem gesundheitspolitischen Umfeld, um die Gesundheitsversorgung für die Menschen der Region zu sichern? Das war die zentrale Frage des Neujahrsempfangs 2020 der Krankenhausgesellschaft St. Vincenz. Vor den Antworten wurde Dank gesagt: All denjenigen, ohne die ohnehin kaum etwas und in solchen Zeiten erst recht nichts geht: den rund 1850 MitarbeiterInnnen an den mittlerweile fünf Standorten des Unternehmens*.

Nachdenklich-empathische Einstimmung auf den Neujahrsempfang: die ökumenische Andacht mit den evangelischen und katholischen Klinikseelsorgern, v.l.n.r.: Christa Theis, katholische Seelsorgerin am Krankenhaus Diez, Pfarrerin Claudia Gierke-Heinrich, evangelische Klinikseelsorgerin St. Vincenz Limburg und Diez, der Vertreter von Krankenhausseelsorger Pater Josef, Pater Sebastian Elavathingal CMA und die katholische Krankenhausseelsorgerin Schwester Elisabeth Lenhoff.

Interessierte Zuhörer: Über hundert Gäste aus Kreis- und Stadtpolitik, Wirtschaft und Gesellschaft sowie MitarbeiterInnen und Vertreter der niedergelassenen Ärzteschaft sowie Selbsthilfegruppen lauschten einer stolzen Leistungsbilanz in „für Krankenhäuser grottenschlechten Zeiten“.

Sorgten für einen schwungvollen Auftakt und einen anspruchsvollen musikalischen Rahmen: Konstantinos Papa und Maurice Baumann.

Hielten Rückschau und Ausblick und präsentierten ihre Wunschliste für 2020: Rechtsanwalt Erwin Reuhl, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Krankenhausgesellschaft, Pflegedirektorin Martina Weich, die stellvertretende Ärztliche Direktorin PD Dr. Katrin Neubauer-Saile und Geschäftsführer Guido Wernert.

Gleichzeitig wurden vor zahlreichen Vertretern aus Kreis- und Stadtpolitik, niedergelassenen Ärzten und Vertretern aus Wirtschaft und Gesellschaft klar und sehr entschieden Wünsche an das Neue Jahr formuliert: Eine Symbiose der stationären Notaufnahme des St. Vincenz mit dem Ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung mit einem klaren gemeinsamen Standort auf dem Schafsberg sowie mehr Parkraum für MitarbeiterInnen und PatientInnen in Kliniknähe - auch als Akzeptanz und Anerkennung der großen Leistung von Pflegekräften und MedizinerInnen, die rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr für die Gesundheitsversorgung der Region gerade stehen.

Dass an einer Verzahnung der Notfallversorgung kein Weg vorbei führt, daran liess die stellvertretende Ärztliche Direktorin, PD Dr. Katrin Neubauer-Saile keinen Zweifel: „Mehr als 40.000 Notfallversorgungen im Jahr, das bringt uns an unsere Grenzen“, so die Chefärztin, der auch die Zentrale Notaufnahme des St. Vincenz unterstellt ist. „Wir brauchen ein Betreuungskonzept aus einer Hand“. Die Zahlen sprächen für sich: Von Jahr zu Jahr werden es mehr Patienten, allein in 2019 war ein Anstieg um rund 17 Prozent zu verzeichnen: Dies zu bewältigen sei allein kaum machbar, ein Großteil der Ressourcen würden so auch falsch genutzt. Zudem würden diese Leistungen nicht refinanziert. Würden die Patienten zentral richtig kanalisiert, könne man die Menschen viel besser versorgen: „Ein Benefit für die Menschen und die Medizin“, konstatierte Neubauer-Saile.

Am Anfang des Programms stand jedoch die wichtigste Botschaft: die Wertschätzung und der Respekt vor der Leistung der Belegschaft: „An erster Stelle gilt es, unseren Mitarbeitern ausdrücklich Dank zu sagen“, so Verwaltungsratsvorsitzender Rechtsanwalt Erwin Reuhl, der schon in der Einladung gemeinsam mit Geschäftsführer Guido Wernert darauf verwiesen hatte, dass die Gesundheitsversorgung der Region nicht funktionieren könne ohne das ungeheure Engagement der verschiedenen Berufsgruppen: „Letztlich gelingt dies nur durch das Zusammenarbeiten von Menschen, für die der Mensch im Mittelpunkt steht. Ihr großer Einsatz ist gar nicht hoch genug einzuschätzen.“ Um den Menschen als regionaler Dienstleister ein quallitativ hochwertiges Angebot zur Gesundheitsfürsorge zu gewährleisten, habe man „in dieser für Krankenhäuser grottenschlechten Zeit“ keine Kosten und Mühen gescheut. Man habe breit differenziert und fast nichts ausgelassen, so Reuhl. Rund um die Uhr stünden Fachmediziner der verschiedensten Disziplinen zur Gesundheits- und Daseinsvorsorge der Region bereit. Baulich sei man am Ende der Vergrößerung, aber inhaltlich würden die medizinischen Schwerpunkte und Strukturen kontinuierlich weiter ausgebaut.

Dass sich dies im aktuellen Strukturwandel in der Gesundheitspolitik des Bundes immer schwieriger gestaltet, machte Geschäftsführer Guido Wernert unmissverständlich klar: „Es gibt kein klares Bekenntnis zur Krankenhauslandschaft mehr“, monierte er. Die Kosten für medizinische Vorhaltungen des Versorgungsauftrags seien fix, die Einnahmen jedoch variabel (Kreißsaal, Notaufnahme, Intensivstation). „Dem sind wir als Krankenhaus ausgeliefert“, so Wernert. Die Rahmenbedingungen bei der Finanzierung und Strukturanforderungen würden immer unerbittlicher, der finanzielle Spielraum immer enger. Der Geschäftsführer ließ keinen Zweifel daran, dass diese kalte Strukturbereinigung ein Ende haben müsse. Gleichzeitig kritisierte er die ungleiche Behandlung der Träger, sprich die Bevorzugung kommunaler Krankenhäuser: Denn während kommunale Kliniken bei Bedarf einen Ergebnisausgleich aus Steuergeldern und Investitionen anteilig finanziert bekämen, stemme die Krankenhausgesellschaft dies aus eigener Kraft: Als freigemeinnützige Einrichtung sichere sie Investitionen und Haushaltsausgleich ausschließlich über Gewinne und Ergebnisüberschüsse.

Trotz der notorischen Unterfinanzierung der letzten Jahre investiere die Gesellschaft in ihre Standorte: „In den letzten Jahren wurden rund 67 Millionen €uro an Baumaßnahmen umgesetzt, jährlich investieren wir rund drei Millonen €uro in Geräte und Ausstattung“, so Wernert. „Wir stehen ein für die Gesundheits- und Daseins-Vorsorge der Menschen – ab der Stunde Null sowie in jeder Stufe des Lebens“, betonte Wernert. Was dies konkret bedeutet, veranschaulichte die stellvertretende Ärztliche Direktorin, PD Dr. Katrin Neubauer-Saile: „Wir sind medizinisch breit aufgestellt und sichern Angebote für die qualifizierte stationäre Gesundheitsversorgung auf dem Land, die so nicht selbstverständlich sind!“ Die Medizinerin nannte in diesem Kontext die Meilensteine der medizinischen Entwicklung der letzten Jahre: die Eröffnung der Urologie sowie der Kinderklinik als Hauptabteilung, die Etablierung der Gefäßchirurgie mit Angiologie, das Angebot der Geriatrie für die speziellen Bedürfnisse alter Menschen. Darüber hinaus habe man durch die Bildung medizinischer den Standort Diez gesichert. Ein Engagement, das keinesfalls selbstverständlich und zudem gegenläufig zur aktuellen Entwicklung in der Krankenhauslandschaft sei, betonte Dr. Neubauer-Saile. Zudem schließe die Krankenhausgesellschaft mit rund 15 Medizinischen Versorgungszentren (MVZs) die Lücken in der ambulanten Versorgung.

Da dies alles nur mit gut ausgebildeten, qualifizierten MitarbeiterInnen zu stemmen ist, investiert das Unternehmen stark in umfangreiche Fort- und Weiterbildungen sowie die Generierung von Fachkräften: „Wir bilden aus von A bis Z, von Apotheke bis Zentralküche“, konstatierte Pflegedirektorin Martina Weich. Besonders stolz ist sie in diesem Kontext auf die kontinuierliche Ausweitung der Angebote in ihrem ureigensten Fachbereich: die BILDUNGSWERKstadt, die Akademie für Gesundheitsfachberufe St. Vincenz, hat in den letzten drei Jahren die Zahl der Ausbildungsplätze um das Doppelte auf 150 erhöht und bietet  nun erstmals auch ein Angebot im Bereich der pflegerischen Pädiatrie an. Neu ist dort auch die Fachweiterbildung für die Notfallpflege und die Weiterbildung für PraxisanleiterInnen, darüber hinaus gibt es das bewährte Angebot der Fachweiterbildung für Anästhesie und Intensivpflege. Weich stellte zudem die Projekte der interdisziplinären AG zur Personalentwicklung vor: Erstmals gibt es  Angebote zur Ferienbetreuung der „Vincenz-Kinder“ und eine ganze Woche rund um die Gesundheit für die Mitarbeiter. Last but not least habe die AG einen täglichen Shuttle-Service vom Marktplatz zum Krankenhaus ins Leben gerufen, um die Parksituation für die Mitarbeiter zu erleichtern. „Uns ist es wichtig, ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen“, so die Pflegedirektorin. Und auch PD Dr. Neubauer-Saile stellte klar, dass es neben dem breiten Lernspektrum für junge Mediziner vor allem darum gehe, den ärztlichen Newcomern die Freude an ihrem Beruf zu erhalten – auch durch kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Das immer auch noch weiter optimiert werden kann, war sowohl den Protagonisten als auch den Besuchern des Neujahrsempfangs klar. Einig waren sich alle jedoch darin, ehrliche Initiativen zur Sicherung der Fundamente der Patientenversorgung auszumachen: Die Krankenhausgesellschaft weiß das tägliche Engagement ihrer Mitarbeiter sehr zu schätzen, arbeitet am Wir-Gefühl und wird sich auch 2020 für sichere Arbeitsplätze mit Zukunftsperspektiven ins Zeug legen.