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Time is brain: 24-Stunden-Bereitschaft für Schlaganfallversorgung auf hohem Niveau: Vincenz-Stroke Unit erfolgreich rezertifiziert

Es war ein schönes vorzeitiges Weihnachtsgeschenk für das Team der Stroke Unit: Die Spezialstation zur Behandlung von Schlaganfallpatienten am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg wurde jetzt von der Deutschen Schlaganfallgesellschaft als Regionale Stroke Unit rezertifiziert. Damit wird dem Team unter Leitung von Chefarzt Dr. Christoph Oberwittler erneut bescheinigt, zeitnahe Diagnostik und Therapie von Schlaganfallpatienten nach den aktuellen Standards der Fachgesellschaft lückenlos zu jeder Tag- und Nachtzeit und an jedem Tag des Jahres auf sehr hohem Niveau gewährleisten zu können. Das Zertifikat wird jeweils für drei Jahre vergeben.

Vorgezogenes Weihnachtsgeschenk: das Team der Stroke Unit freut sich über die externe Bestätigung sehr guter Behandlungsqualität seitens der Deutschen Schlaganfallgesellschaft. Im Bild Mitglieder aus Medizin und Pflege mit Ergo-, Logo- und Physiotherapeuten im Therapieraum der Schlaganfallstation.

Die externe Qualitätsprüfung belegt zudem, dass die Abteilung in enger Vernetzung mit den anderen medizinischen Disziplinen der Klinik für diese Herausforderung gut gerüstet ist: alle erforderlichen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen können in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit durchgeführt werden. Eigens positiv herausgestellt wurde die hohe Zahl der speziell fachweitergebildeten Pflegekräfte. Auch die neue, moderne räumliche Ausstattung der Station, sowie die Verwendung elektrischer Betten und Spezialmatratzen hoben die Auditoren besonders hervor. Darüber hinaus wurde gewürdigt, dass Mangel- und Fehlernährungen der Patienten systematisch erfasst werden. Auch die sog. „beschreibbaren Wände“, welche in den Patientenzimmern zur besseren Kommunikation über wichtige Patientenmerkmale genutzt werden, stellen laut Auditbericht eine Besonderheit der Vincenz-Stroke Unit dar. Rund 950 Patienten profitieren pro Jahr von dieser gut aufgestellten Schlaganfallversorgung. „Jetzt haben wir es auch schriftlich, dass die Patienten auf unserer Stroke Unit in besten Händen sind“, freut sich Geschäftsführer Guido Wernert. „Die Menschen der Region können sich darauf verlassen, bei uns auf ein bestens geschultes und hochmotiviertes Team zu treffen, das in 24-Stunden-Bereitschaft  Patientenversorgung auf höchstem Niveau gewährleistet!“  

Bei der Behandlung von Schlaganfall-Patienten ist die Zeit ein kritischer Faktor: Je schneller erkannt wird, dass das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist  und je früher mit Therapiemaßnahmen begonnen wird, desto größer sind die Chancen, einen Schlaganfall gut zu überstehen. ‚Time is brain‘, Zeit ist Hirn, sagen die Mediziner. Zur interdisziplinären Abklärung der Schlaganfallursache werden am St. Vincenz  an einem neuen CT sehr schnelle Gefäßdarstellungen und Durchblutungsmessungen (Perfusions-CT), Doppler- und Duplexsonographie, sowie die erforderliche kardiologische eingesetzt. Auf der Station erfolgen die kontinuierliche Überwachung von EKG, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Atmung, Herzfrequenz, Temperatur sowie des Blutzuckers. So früh wie möglich beginnen auch die funktionellen Therapien der Physiotherapie, der Logopädie und der Egotherapie sowie eine Mobilisierung aus dem Bett. Dazu hat jeder Bettplatz eine in der dwecke eingelassenen Patientenlifter. Engmaschige ärztliche und pflegerische Kontrollen sorgen für schnelles Erkennen von Verschlechterungen mit Therapiekonsequenzen.  

Der Schlaganfall gehört zu den großen Volkskrankheiten, alleine in Deutschland sind jährlich etwa 270.000 Menschen davon betroffen. „Die Medizin kann den Schicksals-Schlag nicht aus der Welt schaffen“, so Dr. Christoph Oberwittler. Sehr wohl habe sie aber gute Antworten auf Prävention und Behandlung gefunden: In vielen Fällen könne Schlimmeres verhindert werden, wenn die Betroffenen und ihr Umfeld richtig reagierten. Um bleibende Schädigungen zu vermeiden, müsse nach Auftreten der ersten Symptome schnell gehandelt werden. „Bei einem Schlaganfall tickt die Uhr“, so der Neurologe, der auch Regionalbeauftragter der Deutschen Schlaganfallgesellschaft ist. „Die ersten Stunden sind entscheidend! Bei rascher Diagnose und schneller Einleitung einer Therapie in spezialisierten Stroke Units können dauerhafte Einschränkungen gering gehalten werden.“ Dort bestünden die besten Chancen für eine lebensrettende Akutbehandlung und weitergehende Diagnostik. Insbesondere im ländlichen Raum verstreiche jedoch leider oft viel zu viel Zeit zwischen dem Auftreten der Symptome und dem Eintreffen des Patienten in der Klinik, so Oberwittler. Damit sich dies nachhaltig ändert engagieren sich der Neurologe und sein Team schon seit Jahren mit großen Aktionstagen und Vorträgen für intensive und nachhaltige Aufklärung. Dr. Oberwittler: „Grundsätzlich gilt: Je weniger Zeit bis zur Behandlung vergeht, desto größer ist die Chance für einen langfristigen Therapieerfolg!“

Wie erkenne ich einen Schlaganfall? Im Zweifel immer und sofort die 112 wählen!

Das Wort „Schlaganfall“ drückt schon aus, dass bei den betroffenen Personen schlagartig, wie aus dem Nichts, neurologische Ausfälle auftreten. Am häufigsten kommt es zu einer halbseitigen Lähmung von Arm und Bein, einem Herabhängen des Mundwinkels, einem Ausfall der Sprechfunktion oder zu Schwierigkeiten, Worte zu finden und zu verstehen. In seltenen Fällen tritt vorübergehend Doppeltsehen oder Blindheit auf einem Auge oder heftiger Schwindel mit Gangunsicherheit auf. Im Gegensatz zum Herzinfarkt verspüren Betroffene oft keine Schmerzen, nehmen den Vorfall vielfach nicht ernst und zögern daher, den Notarzt zu rufen – ein fataler Fehler! Immer (!) wenn Symptome wie Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Sprachstörungen schlagartig auftreten, sollte der Betroffene, Angehörige oder Kollegen sofort die Notrufnummer 112 anrufen. Denn:

Zeit ist bei einem Schlaganfall FAST alles

Eine Entscheidungshilfe dafür, ob ein akuter Schlaganfall vorliegt, bietet die „FAST Methode“, durch die der Notarzt oder die Rettungssanitäter mit 95prozentiger Sicherheit den Verdacht auf einen Schlaganfall erhärten oder verwerfen können. Mit einfachen Mitteln können Hinweise auf Lähmungserscheinungen im Gesicht (Face), der Arme (Arm) und der Sprache (Speech) gefunden werden. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall ist es dann das vorrangige Ziel den Patienten in so kurzer Zeit (Time) wie möglich in ein Krankenhaus mit einer speziell ausgerichteten Schlaganfall-Station, auch Stroke Unit genannt, zu bringen. Dort bestehen die besten Chancen für eine weitergehende Diagnostik und eine lebensrettende Akutbehandlung durch spezialisierte Ärzte   in der Regel Neurologen   und entsprechend geschultes Fachpersonal.