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Klinikmanager fordert beherztes Handeln: Krankenhäuser brauchen schnelle und nachhaltige Unterstützung

„Die Worte eines Bundesgesundheitsministers dürfen keine Lippenbekenntnisse sein: Jens Spahn muss schnell Taten folgen lassen!“ Dies fordert Krankenhausgeschäftsführer Guido Wernert in Reaktion auf Spahns Statement, keine Klinik dürfe wegen der Corona-Pandemie benachteiligt sein. „Die nachhaltige wirtschaftliche Absicherung der Krankenhäuser darf keine bloße Absichtserklärung sein, sondern ist dringendes Gebot der Stunde“, so Wernert.

Ist in Personalunion Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft St. Vincenz mit den Standorten Limburg und Diez sowie der Evangelisches Krankenhaus Dierdorf-Selters gGmbH mit den Standorten Dierdorf und Selters und somit verantwortlich für vier Krankenhausstandorte: Geschäftsführer Guido Wernert. Mit 2.400 Mitarbeitern werden dort jährlich 37.000 stationäre und 90.000 ambulante Patienten versorgt.

Krankenhausgesellschaft St. Vincenz: Standort Limburg.

Der Standort Dierdorf der Evangelischen Krankenhausgesellschaft gGmbH Dierdorf-Selters.

Evangelische Krankenhausgesellschaft gGmbH Dierdorf-Selters: Standort Selters

Krankenhausgesellschaft St. Vincenz: Standort Diez.

Bereits vor wenigen Tagen hatte der Klinikmanager an die Politik appelliert, die Krankenhäuser nicht allein zu lassen. Jetzt legt Wernert nach: „Damit unsere Häuser ihre zentrale Funktion in der Pandemie-Bekämpfung und darüber hinaus erfüllen können, ist ein Erlösausgleich unabdingbar.“ Bis Ende September habe man bundesweit zumindest mit einer Ausgleichszahlung des Bundes arbeiten können. „Dass diese nun nahezu zeitgleich mit dem Beginn der ‚zweiten Welle‘ wegfällt, ist meiner Ansicht nach gegenüber der Krankenhauslandschaft an der Grenze zur Fahrlässigkeit und muss mit sofortiger Wirkung und auch nach 2020  behoben werden.“ Wernert ist Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft St. Vincenz Limburg und in Personalunion Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhauses Dierdorf/Selters (KHDS).

Um finanzielle Risiken für die Krankenhäuser zu vermeiden und nicht zu 100 Prozent von variablen Patientenzahlen abhängig zu sein, fordert der Geschäftsführer einen fixen Lohn für die stationären Vorhaltungen – täglich, zeitgleich und ganz besonders in Krisenzeiten. Die Regelung zur Ausgleichsregelung müssen seiner Ansicht nach wieder in Kraft gesetzt und verlängert werden. Gleichzeitig müssten die seit August 2020 wieder geltenden Pflegepersonaluntergrenzen weiterhin ausgesetzt werden, damit die Krankenhäuser bei der Personalplanung flexibel auf die Ausbreitung des Coronavirus reagieren können. Damit schließt sich Wernert gleichzeitig dem Appell der rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichenthaler an, die ebenfalls einen Brandbrief an den Bundesgesundheitsminister gerichtet hatte: „Die Ministerin hat alle notwendigen Eckpunkte wie Ausgleichsfinanzierung, Pflegepersonaluntergrenzenverordnung und vieles mehr auf den Punkt gebracht!“

Darüber hinaus unterstützt der Klinikmanager die Forderung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) nach einem „Ganzjahresschutzschirm“ für das Jahr 2021. Dieser soll alle coronabedingten stationären und ambulanten Erlösausfälle und die unverändert hohen Kosten zur Infektionsprävention der Krankenhäuser ausgleichen. Damit die Kliniken liquide bleiben könnten sei es zudem unverzichtbar, dass die Krankenkassen die in den ersten Pandemiemonaten festgesetzte Zahlungsfrist von fünf Tagen für die Leistungen der Krankenhäuser auch nach 2020 einhalten. „Diese Praxis müsse auch über die Pandemie hinaus beibehalten werden, damit die zum Teil wochenlangen Verzögerungen der Vergangenheit angehören.“

Wenn die Kliniken wie gehabt ihre Verantwortung für den Schutz der Bevölkerung unter Beweis stellen sollen, seien langfristige und nachhaltige strukturelle Kurskorrekturen vonnöten. „Die Grenzen der Belastbarkeit des Gesundheitswesens sind bald erreicht.“ Es sei essenziell, dass die Krankenhäuser weiter gegen die Überlastung des Personals kämpfen - dies sei nur möglich, wenn die Krankenhäuser in dieser Phase der Pandemie, aber auch darüber hinaus, langfristig und nachhaltig Planungs­sicherheit erhielten: „Wir befinden uns nicht in einem Kurzstreckenlauf, sondern in einem Marathon“, so Wernert. Kurzatmige Unterstützung helfe in solchem Kontext nicht weiter, sondern führe langfristig zur Herzschwäche. „Wir brauchen beherztes Handeln von Seiten der Politik!“

Bislang braucht laut Wernert kein Patient hinsichtlich der stationären Behandlung Sorge zu haben: Intensiv- und Beatmungsplätze seien aufgestockt worden, die Kliniken seien gut ausgestattet mit Schutzkleidung und hätten funktionierende Hygienekonzepte etabliert. „Selbstverständlich können sich die Bürgerinnen und Bürger darauf verlassen, dass ernsthafte, lebensbedrohliche Krankheiten, wie zum Beispiel Verdachtsfälle auf Herzinfarkt und Schlaganfall schnell versorgt werden“, erklärt der Klinikmanager. Gleichzeitig sorgten die Kliniken zeitgleich für eine bestmögliche medizinische Regelversorgung. Allerdings sei es seitens der Politik jetzt Zeit zu handeln, um die Klinikmitarbeiter an der Front aber vor allem die Patientinnen und Patienten in der Pandemie bestmöglich zu schützen.

*In diesem Text wird ausschließlich die männliche Form verwendet. Damit sind alle anderen Formen gleichermaßen mitgemeint.