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Die Gesichter hinter der Maske: Yvonne Streb – Leitende MTA im Zentrallabor

„Wir sind stolz, unseren Beitrag zur Diagnostik leisten zu können!“

Ob im Krankenhaus oder privat, aktuell kennt man unsere Kolleg*innen nur mit Maske. In der Serie „Die Gesichter hinter der Maske“ stellen wir in loser Reihenfolge die Menschen aus unseren Einrichtungen vor, die im Hintergrund derzeit alles dafür geben, dass unsere Patient*innen auch in diesen Zeiten bestmöglich versorgt werden. Zum Beispiel…

 

… Yvonne Streb. Fast 20 Jahren ist sie bereits im St. Vincenz-Krankenhaus tätig – seit zwei Jahren als leitende Medizinisch-Technische Assistentin (MTA) im Zentrallabor. Im Interview berichtet sie unter anderem von ihrem Arbeitsalltag mit potenziell hochinfektiösem Material und erklärt, wie die Testung auf das Corona-Virus funktioniert.
 
Frau Streb, haben Sie Angst, sich bei Ihrer Arbeit im Labor mit dem Corona-Virus zu infizieren?

Nein, ich persönlich habe keine Angst, mich hier anzustecken. Natürlich ist die Corona-Pandemie eine ganz besondere Situation, die noch keiner von uns in diesem Ausmaß erlebt hat. Aber das Arbeiten mit Viren und Bakterien gehört im Labor schon immer zum Tagesgeschäft, sodass wir im Umgang mit infektiösem Material geübt sind. Insofern macht es für uns im Zentrallabor keinen allzu großen Unterschied, dass wir jetzt auch auf das neuartige Corona-Virus testen.

Wie hat die Corona-Krise Ihren Arbeitsalltag verändert?

Der normale Routinebetrieb ist zu Beginn der Pandemie etwas weniger geworden. Das hing vor allem damit zusammen, dass elektive Eingriffe weggefallen sind und insgesamt weniger PatientInnen im Haus waren. Anfangs konnten wir die PCR-Diagnostik (zum Erregernachweis bei Verdacht auf eine Infektion mit SARS-CoV-2) hier auch noch nicht eigenständig durchführen und haben die Proben zur Diagnostik weggeschickt. Unsere ärztliche Leiterin Claudia Suchatzki stand jedoch in engem Kontakt zu unterschiedlichen Firmen und konnte so veranlassen, dass wir den Test auch im Vincenz schnell etabliert haben. Das Gerät, in dem die MRSA-PCR-Diagnostik durchgeführt wird, hatten wir schon vor Ort, sodass wir direkt mit dem Testen beginnen konnten, als Test-Kits erhältlich waren. Diese waren anfangs – wie viele Güter zu dieser Zeit – jedoch nur sehr schwierig und in geringen Mengen zu beschaffen. Inzwischen haben die Firmen allerdings die Produktion hochgefahren, sodass wir zum jetzigen Zeitpunkt gut mit Test-Kits ausgestattet sind.

Seit einigen Wochen können wir nun die Corona-PCR für PatientInnen und MitarbeiterInnen in Eigenregie vor Ort durchführen. Das ist eine enorme Zeitersparnis: Als wir die Tests noch weggeschickt haben, hat es bis zu 48 Stunden gedauert, bis wir ein Ergebnis erhielten. Seitdem wir hier vor Ort testen, vergehen vom Zeitpunkt des Abstrichs bis zum Vorliegen des Ergebnisses nur 24 Stunden. 

Wie funktioniert so ein PCR-Test zum Nachweis auf Sars-CoV-2?

Wir verwenden eine Real-Time-PCR. Vereinfacht gesagt sieht das so aus:
Die Probe (ein Abstrich aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum in einem speziellen Medium),  wird in ein Probenröhrchen überführt, das spezifisch ausgelegt ist für das Gerät, in dem getestet wird. Außerdem führen wir der Probe noch ein Test-Kit hinzu. Die weitere Testung läuft dann intern im Automaten ab. Dabei wird die Virus-DNA zunächst isoliert und anschließend in mehreren Zyklen repliziert, also vervielfältigt. Durch den Einsatz fluoreszierender Stoffe kann dann überprüft werden, ob die gesuchten Gensequenzen des Virus vorliegen oder nicht. Dieses Vorgehen dauert in etwa drei Stunden.

Wie viele Tests führen Sie am Tag durch?

Wir führen den Test täglich, also auch am Wochenende durch. Zu Beginn war es etwas weniger. Inzwischen hat es sich bei einer Anzahl zwischen fünf und 30 Tests am Tag eingependelt. An besonderen Tagen werden auch mehrere Durchläufe gefahren.

Wie stellen Sie sicher, dass sich im Labor niemand mit dem Virus infiziert?

Wir achten auf die Einhaltung der Zugangsbeschränkung zum Labor und, wo möglich, ausreichenden Abstand bei der Tätigkeit im Labor. Dann gibt es natürlich die krankenhausinternen Vorgaben, wie z. B. die Mundschutzpflicht, Hygieneregelungen oder Vorgaben zu einer begrenzten Personenzahl in Pausenräumen. Innerhalb des Labors befinden wir uns hier im Bereich der Mikrobiologie, in dem wir auch Bakterien untersuchen, die einer bestimmten Risikoklasse angehören. Hier gelten noch einmal verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Zum Beispiel gibt es eine Sicherheitswerkbank mit einer internen Abluft, die sicherstellt, dass die MitarbeiterInnen infektiöse Proben gefahrlos anlegen können. Für die Diagnostik auf  SARS-CoV-2 d.h. die Durchführung der Tests, sind zusätzliche Schutzmaßnahmen durch den ABAS (Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe) gefordert die beachtet werden.

Sehen Sie in der aktuellen Situation auch Chancen für Ihren Bereich?

Gerade in der jetzigen Situation wird deutlich, wie wichtig die Labordiagnostik sein kann. Wir sind sehr stolz darauf – und da spreche ich natürlich für alle meine Kolleginnen – dass wir hier vor Ort die Corona-PCR etablieren konnten und so unseren Beitrag zum Umgang mit dieser besonderen Situation für Patienten und Mitarbeiter  leisten zu können.

Was haben Sie sich persönlich vorgenommen für die Zeit nach Corona?

Ein großes Familienfest feiern!