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Die heilige Anna - Schutzpatronin des Krankenhauses

Von Dieter Lippert  und  Karl-Heinz Oswald

Seit 1976 ist die Kapelle dieses Hauses, das früher Kloster war, der heiligen Mutter Anna geweiht. Der Weihbischof von Trier, Peter Verhorst, nahm die Weihe vor. Seit dem frühen Mittelalter ist die Verehrung der Mutter Anna be­kannt, seit dem Hochmittelalter verbreitet sie sich im ganzen Abendland. Von Anfang an wird Anna in ihrer Beziehung zu Maria gesehen. Auch das Bildnis des Künstlers spricht von dieser tiefen Verbindung.
Wer sich in der Hagiographie auskennt, hat sicher andere Abbildungen der hei­ligen Anna im Sinn und vor Augen, wenn er an sie denkt. Vielleicht kommt ihm diese Anna fremd und ungewohnt vor. Man muss sich Zeit nehmen, um sich mit ihr vertraut zu machen.
Der Mainzer Bildhauer  Karl-Heinz Oswald  hat  diese Skulptur  geschaffen. Sie wurde am Karsamstag des Jahres 1995 von Pfarrer Dieter Lippert eingeweiht. Es war nicht leicht, in das zweckgebundene Ambiente des Krankenhauses eine Skulptur einzufügen. Dem Künstler war es wichtig, keine allzu abstrakte, son­dern eine humane Darstellung der Mutter Anna zu schaffen. Entstanden ist ein Kunstwerk, das die Heilige als Ordensschwester mit heiter-gütigem Gesichts­ausdruck zeigt, die auf ihre Tochter Maria niederblickt.
Viel Spannung ist in diesem Bild: jung und alt - erfahren und unerfahren - Altersweisheit und jugendliches Un­gestüm - abgeklärter Realismus und visionäre Traum - Mütterlichkeit und Selbstbehauptung.
Mutter und Tochter aber  bewegen sich zueinander, sind und bleiben im Gespräch. Von Alters her ist uns Anna als St. Anna docens, als die ihre Toch­ter  lehrende überliefert.
Meist hält sie dazu ein Buch in Hän­den. Auch diese hl. Anna ist eine sol­che St. Anna docens. Aber diese Anna verzichtet auf das Buch, sie lehrt mit ihrer eigenen Person, gibt ihre eige­nen Lebenserfahrungen weiter. Doch das ist keine einseitige Indoktrination, nicht einfach Weitergabe von Traditio­nen.
Die Darstellung der Tochter, der ju­gendlichen Maria - ungewöhnlich auch sie - zeigt, dass sich diese Tochter nicht damit zufrieden gibt, Lehre an­zunehmen, sondern dass sie auch rückfragt, sich einmischt, Stellung bezieht, auch ihre eigenen Träume hat, ihrer eigenen Berufung nachspürt. Die Darstel­lung Annas als weise und erfahrene Frau und Mutter, die den Weg der Tochter aus eigenem Erleben kennt und sie frei lässt, ihren Weg selbst zu finden, die ihren Rat nicht aufdrängt, aber da ist, wenn sie gebraucht wird.
In diesem Hause gehen bis auf den heutigen Tag viele jungen Frauen ein und aus, die sich auf die Geburt ihrer Kinder vorbereiten.
St. Anna ist die Patronin der Schwangeren und Gebärenden .
Ihr gütiges Gesicht soll den jungen Menschen in ihren Sorgen und ihren Fra­gen ein tröstliches Zeichen sein, dass sie hier angehört werden und darauf ver­trauen können, dass ihnen selbstlos geholfen wird.
So wie Anna und Maria hier im Gespräch sind, so soll es zugehen in einem Krankenhaus in der Begegnung zwischen den Menschen, die hierher kom­men, um Genesung zu finden, und denen, die sich in den Dienst der Kranken und Hilfsbedürftigen gestellt haben .

Wer die Eingangshalle des Hauses betritt, soll die Mutter Anna jedesmal an­schauen und von ihr im rechten Geist eingestimmt werden auf Hoffnung und Dienstbereitschaft.